taz.de -- Brückentechnologie für die Marine: Bundestag spielt Schiffe versenken
Weil es mit der Wunschfregatte nicht klappt, organisiert die Bundeswehr übergangsweise neue Boote für den U-Boot-Kampf. Es geht um Milliardensummen.
Das Chaos bei dem Großprojekt der Bundeswehr schien komplett, jetzt soll es ein anderes Unternehmen richten: Für schätzungsweise eine Milliarde Euro pro Stück will die deutsche Marine vier neue Kriegsschiffe anschaffen – als Übergangslösung. Nach Angaben aus [1][dem Verteidigungsministerium] bewilligten die Haushälter*innen im Bundestag am Mittwoch Teilkosten für die Verlängerung eines entsprechenden Vorvertrags mit dem Hersteller TKMS (Thyssen-Krupp Marine Systems). Weil die Schiffe des Typs Meko laut Verteidigungsministerium aus dem Katalog bestellt werden, also ohne Sonderwünsche, sollen sie schon 2029 fertig vor Anker liegen.
Doch angesichts der Vorgeschichte und zahlloser Traumata bei der Beschaffung ist zumindest Skepsis bei diesen Ankündigungen angebracht. Eigentlich wünscht sich die Marine ein ganz anderes Schiff. Schon 2020 gab der Bundestag eine Milliardensumme [2][für den Bau von vier neuen Fregatte der Klasse 126 frei.]
Die Mehrzweckkampfschiffe waren für alle möglichen Einsatzszenarien gedacht: über lange Zeiträume in allen Weltmeeren patroullieren, Handelsblockaden überwachen, sich im Seekampf auch gegen U-Boote durchsetzen. Den Zuschlag für den Bau erhielt die niederländische Damen-Werft – zum Ärger der deutschen Industrie.
Auch aus dem Grund, so viel wie möglich von der Wertschöpfung in Deutschland zu erhalten, sollte das Schiff dann nach niederländischen Plänen hier gefertigt werden. Doch der Bau im Ostseehafen Wolgast verzögerte sich. Als ein Hauptgrund wurde dabei genannt, dass die Konstruktionspläne aus den Niederlanden nicht vernünftig übertragen werden konnten. In Fachmedien und informierten Kreisen im Haushaltsausschuss gilt als sicher, dass die Damen-Werft nun an der Entwicklung der F-126-Fregatte nicht weiter beteiligt wird.
Ein Exportschlager aus Deutschland
Unklar ist dagegen, was mit dem investierten Geld passiert. Nach Informationen [3][des Fachblatts Hardthöhenkurier,] das sich auf Bundestagsdokumente beruft, sind fast zwei Milliarden Euro in die Entwicklung der Fregatte geflossen. Für deutsche Firmen und auch die IG Metall, die gleichsam gegen das niederländische Abenteuer Sturm gelaufen waren, dürfte das Aus hingegen eine gute Nachricht sein.
Denn das Verteidigungsministerium nährt die Hoffnung, dass das Geld für die F 126 nicht sinnlos versenkt wurde. Das Projekt soll nun von dem Unternehmen Naval Vessels Lürssen weiterverfolgt werden. Die Lürssen-Werft wurde zum 1. März von Rheinmetall gekauft – der Rüstungsriese hat bislang jedoch keine Erfahrung im Marineschiffbau.
Es ist also unklar, wann und wie die Wunschfregatte der Marine tatsächlich vom Stapel läuft. Die Bundeswehr verweist auf Nato-Ziele, die vorsähen, dass Deutschland ausreichende Kapazitäten zur U-Boot-Jagd vorhält. Um hier nicht ins Hintertreffen zu gelangen, sollen es also die Meko-Schiffe richten, die das Verteidigungsministerium als „Brückenlösung“ präsentiert. Meko steht dabei für Mehrzweckkombination. Die Schiffe, die nach unterschiedlichen Kampfbedürfnissen moduliert werden können, sind ein deutscher Exportschlager und kommen von der Türkei bis nach Australien weltweit zum Einsatz.
19 Mar 2026
LINKS
[1] /Verteidigungsministerium/!t5007667
[2] /100-Milliarden-Sondervermoegen-Bundeswehr/!5858582
[3] https://hardthoehenkurier.de/f126-moeglicher-abbruch-optionen-und-folgen/
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