taz.de -- Neue Personalie in Iran: Ein radikaler Revolutionsgardist lenkt nun die Geschicke
Mohammad Bagher Zolghadr wird neuer SekretĂ€r des Nationalen Sicherheitsrates. Er war MitbegrĂŒnder der Revolutionsgarden â und gilt als absoluter Hardliner.
Die Position des SekretĂ€rs des Nationalen Sicherheitsrats ist wie ein politischer Seismograf. Sie personifizierte immer das, was in diesem Moment vom iranischen Regime zu erwarten war: HĂ€rte oder Geschmeidigkeit, RadikalitĂ€t oder Pragmatismus â im Inneren wie im ĂuĂeren.
Der getötete Oberste FĂŒhrer Ali Chamenei besetzte diesen Posten stets mit einem seiner engsten Vertrauten. [1][Zuletzt war das Ali Laridschani. Seit dessen Tod durch einen israelischen Angriff] stellt sich die Frage: Wer wird dem Chefstrategen folgen? Und wer bestimmt ihn? [2][Denn Modschtaba Chamenei, neuer Oberster FĂŒhrer,] ist nach Berichten verschiedener iranischer Quellen kaum handlungsfĂ€hig. Es gibt sogar ernsthafte Zweifel daran, ob er noch am Leben ist.
Es tauchten deshalb in den Tagen nach Laridschanis Tod zur Neubesetzung unterschiedliche Namen und Vermutungen auf â bis dann am Dienstagmitttag ein Tweet des Regierungssprechers den Namen Mohammad Bagher Zolghadr bekannt gab. Wer ihn ernannt hat, ist unbekannt. Die Wahl sei in Koordination mit dem âgeehrtem FĂŒhrerâ erfolgt, liest man dort vielsagend.
Wer ist Mohammad Bagher Zolghadr?
Dieser Mann, der kaum in der Ăffentlichkeit auftritt, verkörperte immer die Unnachgiebigkeit des Regimes â in der Innen- wie der AuĂenpolitik. Der 71-JĂ€hrige gehörte zu den GrĂŒndern der Revolutionsgarden und deren Auslandsbataillon, den Al-Quds-KrĂ€ften. Und zu den Vordenkern der sogenannten Achse des Widerstands, einem Netz von iranfinanzierten Proxymilizen in der gesamten Region. Er war von Beginn an fĂŒr Sicherheitsfragen zustĂ€ndig â und achtete stets darauf, dass die Revolutionsgarden ihren Einfluss behielten und ausdehnten.
Die Konzentration der Macht bei den Revolutionsgarden ist bereits ein stetiger, jahrzehntelanger Prozess. Gelenkt wurde er von MĂ€nnern wie Zolghadr und seiner Generation. Der laufende Krieg hat diesen Trend zweifellos verstĂ€rkt â und damit auch ihre Kontrolle ĂŒber das ganze Land beschleunigt.
[3][Bei allen GroĂdemonstrationen, die in den letzten vier Dekaden blutig endeten], spielte Zolghadr â wie auch der Sicherheitsrat â eine SchlĂŒsselrolle. Auch der Niederschlagung der Proteste im vergangenen Januar mit Tausenden Todesopfern ging eine Entscheidung des nationalen Sicherheitsrats voraus.
Er schrieb ein Buch namens âDer Untergang Israelsâ
Auch gegen Reformen im Land fuhr er eine harte Linie: WĂ€hrend der Amtszeit des ReformprĂ€sidenten Mohammad Chatami war er ehlshabers der Revolutionsgarden. Und gehörte damals zu jenen 24 Offizieren der Garde, die ihm gemeinsam in einem offenen, scharf formulierten Brief drohten, seinen Kurs militĂ€risch zu beenden, falls die Reformen weitergingen. Im Jahr 2006 gab Zolghadr ein Buch mit dem Titel âDer Untergang Israelsâ heraus. Darin widmete er Ali Chamenei folgende Worte: âMögen Sie jener tapfere AnfĂŒhrer der âTrĂ€ger der Banner der östlichen Armeeâ sein, der uns (âŠ) auf das Schlachtfeld (âŠ) in [4][Richtung Jerusalem] fĂŒhrt. Damit wir nach dem Tod von âIsraelâ, ein Dankgebet mit Ihnen, dem Imam der Liebe, verrichten könnenâ.
Die durch Berichte belegte Hoffnung der USA, [5][dass auf den Tod hoher Tiere des Systems eine zweite, pragmatischere Reihe folgt], scheint sich bislang nicht zu erfĂŒllen. Und die Macht in der Islamischen Republik bleibt in den HĂ€nden eines kleinen Zirkels â der sie von Beginn an kontrollierte.
Doch es zeigt sich eine Ironie der Geschichte: Mohammad Bagher Zolghadr, Autor dieser Widmung an Chamenei, könnte in naher Zukunft als bestimmender Mann im Nationalen Sicherheitsrat [6][einem Kriegsende mit Israel und den USA zustimmen mĂŒssen. Falls ein solcher Deal zustande kommt]. Man kann davon ausgehen, dass Zolghadr auf Israels Todesliste steht.
26 Mar 2026
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