taz.de -- Sexualisierte Deepfakes: Richterbund fordert mehr Personal

Sexualisierte Deepfakes und digitale Gewalt nehmen zu, sagt auch der Richterbund. Doch Gesetzesverschärfungen allein reichten dagegen nicht.

Bild: Akten, Akten, Akten: Deutschlands Behörden leiden unter chronischem Personalmangel

dpa/taz | Zur effektiven Verfolgung sexualisierter Gewalt braucht es aus Sicht des Deutschen Richterbunds dringend mehr Personal bei den Strafverfolgungsbehörden. „Solange in vielen chronisch unterbesetzten Staatsanwaltschaften drei Ermittler die Arbeit für vier erledigen müssen und Strafverfahren gerade deshalb immer öfter vorzeitig eingestellt werden müssen, erfüllt die Politik ihr Schutzversprechen an die Betroffenen nicht“, sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn.

Wenn sich die Landesfinanzminister weiterhin weigerten, die personell ausgezehrten Staatsanwaltschaften besser aufzustellen, verpufften auch stärkere Strafgesetze, mahnte Rebehn.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bereitet derzeit ein [1][Gesetz gegen digitale sexuelle Gewalt] vor, das unter anderem das Erstellen und Verbreiten sogenannter sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll. Eine Debatte, die seit den öffentlich gemachten [2][Berichten über den Fall der Schauspielerin Collien Fernandes] an Fahrt gewonnen hat.

„Deepfakes und sexualisierte digitale Gewalt, Abbildungen von Kindesmissbrauch und Fälle von Hasskriminalität nehmen im Netz epidemische Ausmaße an“, sagte Rebehn. Punktuelle Strafverschärfungen und Fortbildungsangebote für Ermittler reichten aber nicht.

Hubig will halbe Milliarde locker machen

Der Richterbund-Geschäftsführer betonte: „Digitale und sexualisierte Gewalt ist für Staatsanwälte und Strafrichter kein neues Phänomen, für das sie nun besonders sensibilisiert werden müssten. Es sind keine Wissenslücken, es sind eklatante Personallücken in den zuständigen Behörden, die eine wirksamere Strafverfolgung von Gewalt gegen Frauen und Kinder ausbremsen.“

[3][Justizministerin Hubig] selbst hatte jüngst eingeräumt, dass die Strafverfolgung angesichts der Taten im digitalen Raum komplex sei. „Wir haben es mit internationalen Konzernen und Netzwerken zu tun, und es tauchen ständig neue Phänomene auf“, sagte sie dem Spiegel. Es sei extrem schwer, „da ganz vor die Welle zu kommen“.

Zu diesem Zweck seien modernere und schnellere Verfahren nötig – und mehr Personal. „Dazu wollen wir den Ländern in dieser Legislaturperiode fast eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung stellen“, sagte die Bundesministerin.

1 Apr 2026

[1] /Gesetzentwurf-zu-digitaler-Gewalt/!6164876

[2] /Pornografische-Deep-Fakes/!6164415

[3] /Digitale-Gewalt-gegen-Frauen/!6164816

TAGS

Digitale Gewalt

Stefanie Hubig

Sexualisierte Gewalt

Personalmangel

Strafverfolgung

Collien Fernandes

Digitale Gewalt

CDU Niedersachsen

Gesetzesvorschlag

Digitale Gewalt

Frauenhass

ARTIKEL ZUM THEMA

Gesetzentwurf zu digitaler Gewalt: Männer erziehen statt einknasten

Das neue Gesetz von Justizministerin Stefanie Hubig wird das Problem der digitalen sexualisierten Gewalt nicht lösen. Was statt Strafe sinnvoll wäre.

Deepfake-Affäre in der CDU Niedersachsen: CDU streitet darum, wer den Elefantenpimmel gesehen hat

Die Affäre um das Deepfake-Video in der CDU geht weiter. Der freigestellte Mitarbeiter wehrt sich und will die Fraktionsspitze früh informiert haben.

Gesetzentwurf zu digitaler Gewalt: Bis zu zwei Jahre Haft für Deepfakes

Justizministerin Hubig legt einen Gesetzentwurf gegen sexualisierte Übergriffe im Netz vor. Der Fernandes-Ulmen-Skandal hat den Prozess beschleunigt.

Digitale Gewalt gegen Frauen: Parteiübergreifend ein schärferes Vorgehen gefordert

Fraktionsübergreifende Initiative unterstützt das Vorhaben von Justizministerin Hubig. Feministinnen rufen zum Protest am Sonntag am Brandenburger Tor.

Pornografische Deep-Fakes: Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Mann

Die Schauspielerin behauptet, ihr Ex-Mann Christian Ulmen habe ihr jahrelang digitale Gewalt angetan. Ulmens Anwalt kündigt rechtliche Schritte an.