taz.de -- +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Atomkraftwerk Buschehr wohl erneut unter Beschuss

Laut Medien konnte ein Besatzungsmitglied eines abgestĂŒrzten US-Kampfjets von US-Spezialeinheiten gerettet werden, ein weiteres wird gesucht. Der Iran vermeldet erneuten Luftangriff auf das AKW Buschehr.

Bild: Das Atomkraftwerk in Buschehr (hier in einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2010) soll laut iranischen Angaben erneut unter Beschuss stehen

Erneuter Angriff auf AKW Buschehr

Die USA und Israel haben nach Angaben iranischer Staatsmedien am Samstag erneut einen Luftangriff auf das [1][Atomkraftwerk Buschehr] geflogen. Dabei sei in der NÀhe der Anlage ein Sicherheitsmann getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Irna. An den Atominstallationen seien keine SchÀden entstanden. Russland zog nach eigenen Angaben nach dem Angriff rund 200 Arbeiter von dem Atomkraftwerk ab.

„Nach den kriminellen Angriffen“ sei „am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr ein Geschoss in der NĂ€he des Atomkraftwerks Buschehr“ eingeschlagen, berichtete Irna. Bei dem Todesopfer handele es sich um einen Sicherheitsmann der Anlage. Das Atomkraftwerk war seit Beginn des Irankrieges bereits mehrmals von den USA und Israel angegriffen worden. Es verfĂŒgt ĂŒber den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes, der nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Jahr 2011 erstmals ans Stromnetz angeschlossen worden war.

Wenige Stunden nach dem Angriff erklĂ€rte Moskau, dass 198 russische Arbeiter von dem Atomkraftwerk abgezogen worden seien. „Etwa 20 Minuten nach dem verhĂ€ngnisvollen Angriff fuhren Busse vom Busbahnhof Buschehr in Richtung der iranisch-armenischen Grenze ab“, erklĂ€rte der Chef der russischen Atombehörde Rosatom, Alexej Lichatschow, nach Angaben der Nachrichtenagentur Tass. Es seien 198 Arbeiter in Sicherheit gebracht worden – „das ist die grĂ¶ĂŸte Evakuierung“. (afp)

Vermittler arbeiten an Kompromiss zwischen Iran und USA

UnterhĂ€ndler aus Pakistan, der TĂŒrkei und Ägypten bemĂŒhen sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP weiterhin darum, [2][die Vereinigten Staaten und den Iran wieder an den Verhandlungstisch zu bringen]. Die drei Staaten arbeiteten an einem Kompromiss, um die Kluft zwischen den Forderungen der beiden Seiten zu ĂŒberbrĂŒcken, sagten ein Vertreter aus einem der Vermittlerstaaten und ein Diplomat aus der Golfregion am Samstag der AP. Beide wollten sich nur anonym ĂŒber die heiklen GesprĂ€che Ă€ußern.

Der noch nicht ausgehandelte Kompromiss soll demnach den Weg fĂŒr ein Treffen beider Seiten in Pakistan ebnen. Eine begrenzte Waffenruhe soll Raum fĂŒr die Suche nach einer diplomatischen Lösung schaffen.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bekrĂ€ftigte am Samstag die Bereitschaft seiner Regierung, zu Verhandlungen nach Islamabad zu reisen. Wichtig seien Teheran allerdings „die Bedingungen fĂŒr ein endgĂŒltiges und dauerhaftes Ende des uns aufgezwungenen illegalen Krieges“. (ap)

Erneut SchÀden nach Raketenbeschuss aus dem Iran in Israel

Nach neuem Raketenbeschuss aus dem Iran hat es im Großraum Tel Aviv in Israel am Nachmittag erneut EinschlĂ€ge gegeben. In israelischen Medien verbreitete Videos zeigten Rauchschwaden, die ĂŒber HĂ€user in zwei Tel Aviver Vororten aufstiegen. Medienberichten zufolge gab es bei dem iranischen Angriff SchĂ€den unter anderem an GebĂ€uden. Der israelische Rettungsdienst verbreitete zudem Aufnahmen, auf denen brennende Autos zu sehen waren. Den Angaben zufolge wurde ein Mann durch eine Druckwelle leicht verletzt.

Israelischen Medienberichten zufolge setzte der Iran wie bereits bei Angriffen in der Mittagszeit erneut die international weitgehend geĂ€chtete Streumunition ein, die große FlĂ€chen unkontrolliert mit Sprengkörpern ĂŒberzieht und besonders fĂŒr Zivilisten gefĂ€hrlich ist. (dpa)

Suche nach zweitem Crewmitglied eines abgestĂŒrzten US-Kampfjets

Nach Berichten ĂŒber zwei abgestĂŒrzte US-Kampfjets in der Golfregion suchen iranische und US-StreitkrĂ€fte fieberhaft nach dem zweiten Crewmitglied eines der Flugzeuge. Der Iran [3][erklĂ€rte am Freitagabend, ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-15 abgeschossen zu haben]. US-Medienberichten zufolge konnte eines der beiden Besatzungsmitglieder von US-Spezialeinheiten gerettet worden, nach dem zweiten werde noch gesucht. Kurze Zeit spĂ€ter meldete Teheran dann den Abschuss eines US-Kampfjets vom Typ F-10. US-PrĂ€sident Donald Trump erklĂ€rte, der Verlust der Flugzeuge wirke sich nicht auf die US-iranischen Verhandlungen aus.

ZunĂ€chst hatten iranische Staatsmedien von dem Abschuss des F-15-Kampfjets berichtet. Ein örtlicher TV-Sender brachte Bilder, die den zerstörten Jet am Boden zeigen sollen. Laut dem TV-Bericht unter Berufung auf eine Polizei-Mitteilung wurde das Flugzeug ĂŒber dem Zentraliran ins Visier genommen und stĂŒrzte daraufhin ab.

„Ein feindlicher amerikanischer Kampfjet ist im zentraliranischen Luftraum von dem Luftverteidigungssystem der Luftwaffe der iranischen Revolutionsgarden getroffen und zerstört worden“, erklĂ€rte die Kommandozentrale der iranischen StreitkrĂ€fte. „Der Jet wurde vollstĂ€ndig vernichtet, die weitere Suche dauert an.“

Die US-Armee startete US-Medienberichten zufolge umgehend eine großangelegte Such- und Rettungsaktion. Bilder und Videos auf Onlineplattformen zeigten mutmaßlich tief fliegende US-Hubschrauber und mindestens ein Flugzeug in der Gegend. Laut dem Nachrichtensender CNN wurde das gerettete Crewmitglied medizinisch versorgt.

Ein Journalist eines iranischen Lokalsenders erklĂ€rte, jeder, der ein Besatzungsmitglied lebend gefangen nehme, werde „eine Belohnung erhalten“.

SpĂ€ter berichtete das iranische Staatsfernsehen von einem weiteren abgeschossenen US-Kampfjet. Ein Flugzeug vom Typ A-10 sei von der iranischen Luftabwehr getroffen worden, die Maschine sei in den Persischen Golf gestĂŒrzt, hieß es den Medienberichten zufolge.

Das fĂŒr den Iran zustĂ€ndige Regionalkommando der US-StreitkrĂ€fte (Centcom) Ă€ußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP bislang nicht zu den Angaben der iranischen StreitkrĂ€fte, wonach ein zweiter US-Kampfjet ĂŒber dem Persischen Golf abgeschossen worden und abgestĂŒrzt sei. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklĂ€rte lediglich, PrĂ€sident Trump sei „unterrichtet“ worden.

Nach den Worten von PrĂ€sident Trump wirken sich die VorfĂ€lle nicht auf die Verhandlungen mit der FĂŒhrung in Teheran aus. „Nein, ĂŒberhaupt nicht“, antwortete Trump im US-Nachrichtensender NBC auf eine entsprechende Frage und ergĂ€nzte: „Es ist eben Krieg.“

Die US-Armee hat bei dem seit gut einem Monat andauernden Einsatz im Iran bereits einige Flugzeuge verloren, darunter ein Tankflugzeug, das im Irak abgestĂŒrzt war, sowie drei F-15-Jets, die versehentlich von Kuwait abgeschossen wurden. (afp)

Zwei Volksmudschahedin-Mitglieder in Iran hingerichtet

Im Iran sind zwei weitere Mitglieder der oppositionellen Organisation der Volksmudschahedin hingerichtet worden. Die mit der Justiz verbundene Nachrichtenagentur Misan berichtete am Samstag, die beiden MĂ€nner seien gehĂ€ngt worden, nachdem sie der Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe fĂŒr schuldig befunden worden seien. Seit dem Beginn des Irankriegs wurden bislang sechs Mitglieder der Exilgruppe hingerichtet.

Menschenrechtsorganisationen werfen dem Iran vor, Beschuldigte immer wieder in nicht-öffentlichen Prozessen zu verurteilen, in denen sie die gegen sie erhobenen VorwĂŒrfe nicht anfechten können. (ap)

GebĂ€ude von Oracle-Konzern in Dubai durch DrohnentrĂŒmmer beschĂ€digt

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind GebĂ€ude von TrĂŒmmern herabstĂŒrzender Drohnen beschĂ€digt worden. Die Behörden in der Metropole Dubai teilten mit, die Fragmente der bei einer Abfangaktion zerstörten Drohnen hĂ€tten die Fassaden zweier GebĂ€ude in Mitleidenschaft gezogen, von denen eines dem US-Tech-Konzern Oracle gehöre. Opfer wurden zunĂ€chst nicht gemeldet.

Die iranische Revolutionsgarde hatte Oracle und 17 weiteren US-Unternehmen gedroht und ihnen vorgeworfen, an „terroristischer Spionage“ im Iran beteiligt zu sein.

Bei vorangegangenen iranischen Drohnenangriffen waren Einrichtungen der Amazon Web Services (AWS) in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain beschÀdigt worden. (ap)

Pentagon: bisher rund 370 US-MilitÀrangehörige verletzt

Seit dem Beginn des [4][US-israelischen Krieges gegen den Iran] sollen in der Nahost-Region rund 370 US-MilitĂ€rangehörige verletzt worden sein. Das ging mit Stand Freitag aus online verfĂŒgbaren Daten des Verteidigungsministeriums hervor. Unklar war, ob in der ZĂ€hlung bereits mutmaßliche Opfer im Zusammenhang mit dem von Teheran fĂŒr sich reklamierten Abschuss zweier US-Kampfflugzeuge enthalten waren.

Insgesamt schlĂŒsselte das Pentagon 365 Verletzte auf, darunter 247 Soldaten des Heeres, 63 Angehörige der Marine, 19 US-Marines und 36 Angehörige der Luftwaffe. Die Zahl der Todesopfer wurde weiter mit 13 angegeben. (ap)

Irankrieg ist extrem gesundheitsschÀdlich und umweltbelastend

Im Irankrieg sind bislang nach Angaben einzelner Staaten einige Tausend Menschen getötet worden. Doch Bomben und BrÀnde setzen auch giftige Substanzen frei, die schon beim Einatmen gesundheitsschÀdlich sind und langfristig wirken. Zudem ist das Trinkwasser in Gefahr.

Zu den deutlich sichtbaren Umweltfolgen des Krieges zĂ€hlen die Angriffe auf Ölanlagen wie Öllager im Iran oder eine Raffinerie in Israel. Besonders drastisch waren die dunklen Wolken ĂŒber Irans Hauptstadt Teheran nach dem Brand mehrerer Depots Anfang MĂ€rz. „Allein die israelischen Angriffe auf die Ölanlagen in Teheran fĂŒhrten dazu, dass potenziell Millionen von Menschen einer breiten Palette gefĂ€hrlicher Schadstoffe ausgesetzt waren, von denen einige in der Umwelt persistent sind und eine anhaltende Bedrohung fĂŒr Böden und Wasserressourcen darstellen“, sagt Doug Weir, Direktor der britischen Organisation The Conflict and Environment Observatory (Ceobs).

Diese giftige Mischung aus Schadstoffen regnete laut Ceobs anschließend ĂŒber der Stadt ab und gelangte in die EntwĂ€sserungssysteme, was zu Bedenken hinsichtlich einer möglichen Verunreinigung von OberflĂ€chen- und Grundwasser gefĂŒhrt habe. Zu den typischen Schadstoffen von Öl- oder RaffineriebrĂ€nden zĂ€hlten etwa Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickoxide und Ruß.

„Teheran selbst ist generell stark verschmutzt. Jahrelange Sanktionen haben dazu gefĂŒhrt, dass die Autos veraltet sind“, sagt Sana Chavoshian vom Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin. Zur Energiegewinnung werde das besonders umweltschĂ€dliche Schweröl Masut verbrannt. „Und jetzt kommen diese neuen Explosionen und Bombardierungen dazu, so dass sich weitere Schadstoffe ansammeln.“ Forschungsergebnisse zeigen laut Weir, dass Menschen in stark verschmutzten Umgebungen wie in Teheran besonders anfĂ€llig fĂŒr gesundheitliche Auswirkungen in solchen Phasen sehr schlechter LuftqualitĂ€t seien.

Partikel aus dem Rauch können laut Ceobs innerhalb von Tagen Hunderte Kilometer weitergetragen werden. Das niedergegangene Schadstoffgemisch könne mit dem Wind von den Straßen und DĂ€chern abgetragen werden und bis nach Turkmenistan in Zentralasien und Tadschikistan gelangen, sagt Chavoshian. „StaubstĂŒrme bringen schon seit Jahren Feinstaub in andere LĂ€nder und jetzt kommen weitere Schadstoffe hinzu als giftiges Erbe des Krieges.“

Gefahr kommt nicht nur von brennendem Öl, sondern auch von Bomben und anderer Munition. „Der weitverbreitete Einsatz von Munition kann zur Freisetzung von Schwermetallen und giftigen Chemikalien in die Umwelt fĂŒhren“, schreibt das UN-Umweltprogamm (Unep). Die Schwermetalle und explosive Chemikalien seien selbst in geringsten Mengen giftig. Auch Angriffe auf Munitionsdepots können laut Ceobs Schadstoffe freisetzen und zusĂ€tzlich könnten bei BrĂ€nden von Depots mit konventionellen Waffen Dioxine und Furane entstehen.

Bei einem Angriff auf Erdgasanlagen sieht Weir nicht das Gas als Hauptproblem. „Unsere Hauptsorge gilt weniger dem Gas selbst – obwohl die Freisetzung von unverbranntem Methan erhebliche Auswirkungen auf das Klima hat“, sagt Weir. Vielmehr sehe er eine Gefahr in den petrochemischen Anlagen, in denen Gas verarbeitet wird. Sie befĂ€nden sich oft in unmittelbarer NĂ€he von Erdgasfeldern und enthielten eine grĂ¶ĂŸere Bandbreite potenzieller Schadstoffe.

Eine weitere Gefahr ist die Verschmutzung des Wassers. „SchĂ€den an der Ölinfrastruktur können Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und giftige Chemikalien in Böden und OberflĂ€chengewĂ€sser freisetzen, die anschließend ins Grundwasser gelangen können“, sagt Nima Shokri, Leiter des Instituts fĂŒr Geohydroinformatik der Technischen UniversitĂ€t Hamburg. „Diese Verschmutzung kann ĂŒber Jahre oder sogar Jahrzehnte bestehen bleiben und Wasser fĂŒr Trink- und Landwirtschaftszwecke unbrauchbar machen.“

In KĂŒstenregionen könnten solche Verschmutzungen auch das Wasser beeintrĂ€chtigen, das fĂŒr Entsalzungsanlagen entnommen wird, wodurch die Aufbereitung teurer und riskanter wird. „FrĂŒhere Konflikte und UnfĂ€lle haben gezeigt, dass selbst begrenzte Ölverschmutzungen langfristige Auswirkungen auf die WasserqualitĂ€t und die Gesundheit von Ökosystemen haben können.“

Überlebenswichtig sind in der trockenen Region Anlagen zur Entsalzung von Meerwasser. „Entsalzungsanlagen bilden das RĂŒckgrat der Wasserversorgung am Persischen Golf. Eine grĂ¶ĂŸere Störung könnte innerhalb weniger Tage die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen unterbrechen“, sagt Shokri. 90 Prozent des Trinkwassers in Kuwait stammt nach Daten der UN-ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) aus diesen Anlagen. In Oman sind es 86 Prozent, in Saudi-Arabien 70 Prozent und in den Vereinigten Arabischen Emiraten 42 Prozent. Über einige wenige Angriffe auf solche Anlagen wurde bereits berichtet.

FĂŒr viele Menschen in Ă€rmeren Staaten könnte der Irankrieg ebenfalls drastische Folgen haben. Wenn der Krieg bis Sommer anhalte, könnten zusĂ€tzlich 45 Millionen Menschen in Hungersituationen geraten, warnt das WelternĂ€hrungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen. Die Blockade vieler Schiffe treibe bereits jetzt die Kosten fĂŒr Energie, Treibstoff und DĂŒngemittel in die Höhe und verschĂ€rfe den Hunger weit ĂŒber den Nahen Osten hinaus. Viele Grundzutaten fĂŒr DĂŒnger kommen aus der Region, wie etwa Harnstoffs, Schwefel und Phosphat.

In einer ersten groben SchĂ€tzung, die es selbst als „Schnappschuss“ bezeichnet, erhob ein Team den Treibhausgasausstoß der ersten zwei Wochen des Krieges. Dazu gehörten etwa Experten der Queen Mary University of London und der Denkfabrik Climate and Community Institute. Demnach hat der Krieg in der Zeit Treibhausgase mit der Wirkung von fĂŒnf Millionen Tonnen CO2 verursacht. Rund die HĂ€lfte sei entstanden, weil zerstörte GebĂ€ude wieder aufgebaut werden mĂŒssten, was sehr viel CO2 produziere. Es folgen unter anderem die Verbrennung und sonstige Zerstörung von Öl sowie der Treibstoffverbrauch des MilitĂ€rs.

Klimaexperte Lennard de Klerk verweist darauf, dass eine solche Berechnung viele Unsicherheitsfaktoren habe und nennt eine weitere Klimawirkung. Zu den indirekten Effekten zĂ€hle etwa die Störung der Lieferung von FlĂŒssigerdgas (LNG) nach Asien, was zu einer verstĂ€rkten Nutzung der viel klimaschĂ€dlicheren Kohle fĂŒhre, solange die Sperrung der Straße von Hormus andauere, sagt Klerk, der Mitglied einer Initiative zur Erhebung der Klimawirkung von Kriegen ist (Initiative on GHG accounting of war).

Er hofft auf eine spezielle Folge des Krieges. Auf der positiven Seite fĂŒr das Klima stehe, „dass der Krieg im Iran eine weitere Erinnerung daran ist, dass fossile Brennstoffe eine unzuverlĂ€ssige Energiequelle sind, wodurch die Energiewende nicht nur in Europa, sondern auch in Asien vorangetrieben wird.“ (dpa)

Ein Verletzter bei iranischen Raketenangriffen auf Israel

Bei erneuten iranischen Raketenangriffen auf Israel ist nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom ein Mensch verletzt worden. Ein 45-JĂ€hriger sei im zentralisraelischen Bnei Brak mit leichten Blessuren durch Glassplitter in ein Krankenhaus eingeliefert worden. EinsatzkrĂ€fte seien zudem an mehreren Orten in Zentralisrael auf dem Weg zu mutmaßlichen Einschlagsorten.

Die israelische Armee hatte zuvor den Abschuss mehrerer Raketen durch den Iran gemeldet. Luftabwehrsysteme seien „im Einsatz, um die Gefahr abzufangen“, erklĂ€rten die StreitkrĂ€fte im Onlinedienst Telegram. SpĂ€ter gaben sie vorlĂ€ufig Entwarnung. Zivilisten dĂŒrften ihre SchutzrĂ€ume wieder verlassen, hieß es. (afp)

Explosionen erschĂŒttern Libanons Hauptstadt Beirut

In der Nacht zum Samstag haben erneut mehrere laute Explosionen die libanesische Hauptstadt Beirut erschĂŒttert. Binnen einer halben Stunde ereigneten sich mindestens zwei Explosionen, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Die israelische Armee erklĂ€rte im Onlinedienst Telegram, sie habe „Einrichtungen“ der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz in Beirut angegriffen. Libanesische Medien berichteten von Attacken auf sĂŒdliche Vororte der Hauptstadt.

Der Libanon war Anfang MĂ€rz in den Irankrieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah-Miliz – deren erklĂ€rtes Ziel die Vernichtung Israels ist – als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen FĂŒhrers Ajatollah Ali Chamenei Raketen auf das Nachbarland ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen ĂŒber die Grenze. (afp)

Lufthansa fĂŒrchtet EngpĂ€sse bei Kerosin-Versorgung

‌Der Lufthansa-Konzern befĂŒrchtet, ‌dass es im Falle eines lĂ€nger anhaltenden Kriegs in Nahost zu EngpĂ€ssen bei der Kerosin-Versorgung kommen könnte. „Die Frage der VerfĂŒgbarkeit von Flugkraftstoff ist an einigen asiatischen FlughĂ€fen bereits jetzt schwierig“, sagte ‌Grazia Vittadini, VorstĂ€ndin fĂŒr Technik, IT und Innovation, im Interview mit der Welt am Sonntag laut Vorabbericht. „Je lĂ€nger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto kritischer kann die Versorgungssicherheit mit Kerosin werden“, so die Lufthansa-Managerin weiter.

Weil die Straße von Hormus seit Beginn des Irankriegs nicht mehr ‌sicher zu passieren ist, fĂŒhren LieferengpĂ€sse schon jetzt zu einem drastischen Anstieg der Kerosinpreise, ⁠teilweise um mehr als 100 Prozent. Die Airlines der Lufthansa-Gruppe seien dagegen nur teilweise abgesichert, so Vittadini. „FĂŒr unsere Passagier-Airlines ‌wird der ‌Ölpreisanstieg durch eine Absicherungsquote ⁠von 80 Prozent des Treibstoffbedarfs im laufenden Jahr noch weitgehend abgepuffert. Aber ‌natĂŒrlich treffen auch uns ‌die steigenden Kerosinpreise.“ (rtr)

US-Erzbischof Broglio hĂ€lt Irankrieg fĂŒr ungerechtfertigt

Der fĂŒr die seelsorgerliche Betreuung im US-MilitĂ€r zustĂ€ndige Erzbischof Timothy Broglio hĂ€lt den Krieg gegen den Iran nach ethischen MaßstĂ€ben fĂŒr ungerechtfertigt. In einem Interview des Nachrichtensenders CBS News entgegnete Broglio auf die Frage, ob der Krieg legitim sei: „GemĂ€ĂŸ der Lehre vom gerechten Krieg ist er es nicht.“ Dabei verwies er auf das Szenario einer nuklearen Bedrohung.

„Da wird eine Bedrohung ausgemerzt, ehe sie tatsĂ€chlich RealitĂ€t wird“, erklĂ€rte Broglio. „Ich wĂŒrde mich auf die Seite von Papst Leo stellen, der zu Verhandlungen aufgerufen hat.“

„Der Herr Jesus hat zweifellos eine Botschaft des Friedens verkĂŒndet, und ich denke auch, dass Krieg immer nur das letzte Mittel sein sollte“, ergĂ€nzte der Erzbischof, der die katholischen Seelsorger fĂŒr Angehörige der US-StreitkrĂ€fte weltweit leitet. „Ich maße mir kein endgĂŒltiges Urteil darĂŒber an, weil ich es wirklich nicht weiß. Aber ich denke, es ist schwer, diesen Krieg als etwas darzustellen, das der Herr gutheißen wĂŒrde.“

Das GesprĂ€ch mit Broglio wird CBS News am Ostersonntag in der Sendung „Face the Nation“ ausstrahlen. (ap)

Wirtschaftsweise Grimm warnt vor ökonomischen Folgen des Irankriegs

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt [5][vor den ökonomischen Folgen des Irankrieges] und hĂ€lt eine Stagnation in Deutschland fĂŒr möglich. „Die Auswirkungen werden lĂ€nger spĂŒrbar sein, als es zunĂ€chst erwartet wurde“, sagt die Ökonomin einem ‌Vorabbericht der Rheinischen Post zufolge. Dass die Forschungsinstitute fĂŒr 2026 noch mit einem Wachstum von 0,6 Prozent rechnen, nennt sie optimistisch. So passieren 20 Prozent der Öl- und FlĂŒssiggastransporte sowie ein Drittel der DĂŒngemittellieferungen die Straße von Hormus, zudem seien viele Förderanlagen zerstört. Die Konsequenzen fĂŒr die Weltwirtschaft seien daher gravierend. (rtr)

Abstimmung im UN-Sicherheitsrat ist verschoben worden

Eine fĂŒr diesen Samstag geplante Abstimmung im UN-Sicherheitsrat ĂŒber eine von Bahrain eingebrachte Resolution zur Sicherung der Straße von Hormus ist kurzfristig verschoben worden. Das Votum solle kommende Woche stattfinden, teilten zwei Diplomaten am Freitag (Ortszeit) in New York mit. Der Resolutionsentwurf, in dem zunĂ€chst vom Einsatz „aller notwendigen Mittel“ fĂŒr den Schutz der kommerziellen Schifffahrt in der vom Iran weitgehend blockierten Straße von Hormus die Rede war, wurde nach Widerstand der Veto-MĂ€chte China und Russland deutlich abgeschwĂ€cht.

Im Text, ĂŒber den am Samstag hĂ€tte abgestimmt werden sollen, werden nur Verteidigungsmaßnahmen zur Sicherung der fĂŒr den globalen Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge gebilligt, und keine Offensivaktionen, die von arabischen Golfstaaten und den USA unterstĂŒtzt wurden.

Bahrain hat derzeit den Vorsitz im mĂ€chtigsten UN-Gremium inne. Die Verschiebung der Abstimmung ĂŒber die Resolution deuteten Beobachter als Hinweis darauf, dass selbst die abgeschwĂ€chte Version fĂŒr Russland und China nach wie vor inakzeptabel ist. (ap)

US-Geheimdienst: Straße von Hormus wird lĂ€nger geschlossen bleiben

US-Geheimdienstberichte kommen Insidern zufolge zu dem Schluss, ‌dass der Iran [6][die Straße von Hormus vorerst nicht wieder öffnen wird]. Die ‌Kontrolle ĂŒber die wichtigste Ölroute der Welt sei das einzige echte Druckmittel der Islamischen Republik gegen die USA, sagen drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Regierung in Teheran wolle die Energiepreise hoch halten, um US-PrĂ€sident Donald Trump zu einem raschen Ende des seit fast fĂŒnf Wochen andauernden Krieges zu drĂ€ngen. Ein Vertreter des Weißen Hauses erklĂ€rt dagegen, Trump sei zuversichtlich, dass die Meerenge „sehr bald“ wieder befahrbar sein werde. (rtr)

4 Apr 2026

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