taz.de -- OECD-Zahlen: Deutschland bricht Versprechen zu Entwicklungsleistungen
Deutschland scheitert erneut am Finanzziel für Entwicklungsleistungen. Auch die USA haben Entwicklungsgelder massiv gekürzt.
Reiche Länder sollen wirtschaftlich schwächere Staaten unterstützen: Das entschieden die Vereinten Nationen [1][schon 1970]. Dazu legten sie fest, dass Geberländer 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) in offizielle Entwicklungsleistungen (ODA) stecken sollen.
Doch diese Quote wird nur selten gezahlt. Auch Deutschland hat seine eigenen Finanzziele im vergangenen Jahr verfehlt. Wie neue Zahlen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigen, lagen Deutschlands ODA-Ausgaben 2025 gerade einmal bei 0,56 Prozent.
Ohne Berücksichtigung der Kosten für Geflüchtete im Inland würde die sogenannte ODA-Quote Deutschlands nur bei 0,46 Prozent liegen, erklärte das BMZ am Donnerstag. Insgesamt beliefen sich die deutschen Ausgaben auf etwa 26 Milliarden Euro – 5 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Dabei hatte sich Deutschland erst letzten Sommer auf der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla erneut zu dem 0,7-Prozent-Ziel verpflichtet.
Mit seinem unerfüllten Versprechen ist Deutschland unter den reichen Industrienationen nicht in der Minderheit. Nur wenige Geberländer erreichen das Finanzziel regelmäßig. Deutschland schaffte es das erste Mal im Jahr 2016 über die 0,7-Prozent-Marke. Zwischen 2020 und 2023 hielt die Bundesrepublik die Quote ein, scheiterte 2024 aber wieder daran.
USA haben Entwicklungsgelder massiv gekürzt
Im internationalen Vergleich lag Deutschland gemessen an seiner Wirtschaftskraft hinter Norwegen, Luxemburg, Schweden, Dänemark und den Niederlanden auf Platz sechs. In absoluten Zahlen sei Deutschland 2025 jedoch der größte Geber gewesen, so das Ministerium. Dies sei „eine direkte Folge der [2][massiven Kürzungen der USA], die in den vergangenen Jahrzehnten durchgehend am stärksten in weltweite Partnerschaften und Entwicklungsziele investierten“.
Trotz des klaren Verfehlens des Finanzziels erklärte Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD), Deutschland bleibe ein „verlässlicher Partner“. Ein Versprechen, das sie schon [3][während der Konferenz in Sevilla] machte, das bislang aber leer blieb.
9 Apr 2026
LINKS
[2] /Globale-Knebelregel/!6157884
AUTOREN
TAGS
ARTIKEL ZUM THEMA
Bundeshaushalt 2027: Elfmal so viel Geld für Waffen wie für globale Entwicklung
Hilfsorganisationen kritisieren die erneuten Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit im Etat 2027. Sie warnen vor der Verschärfung aktueller Krisen.
Weltgesundheitsgipfel in Nairobi: Afrika will mehr Unabhängigkeit bei der Gesundheit
Weniger auf Pharma-Importe und Hilfsgelder angewiesen sein wollen die afrikanischen Staaten. Besonders die Frauengesundheit leidet.
EU-Kommissar über den „Global Gateway“: „Europa kann nicht zum Geber der letzten Instanz werden“
Die EU hat ihre Entwicklungspolitik angepasst. Ziel der Global-Gateway-Initiative: Sicherung von Rohstoffen für Europa und Wertschöpfung vor Ort.
Reem Alabali Radovan in Nahost: „Ein Zeichen der Solidarität“
Die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan reist nach Jordanien. Im Fokus des Besuchs stehen auch die Auswirkungen des Irankrieges auf die Region.
Desinformation über Entwicklungspolitik: Die Behauptungen von Massenmigration und Biowaffen
Eine Studie zeigt, wie rechtsextreme, verschwörungsideologische und prorussische Akteure Desinformation über Entwicklungszusammenarbeit verbreiten.