taz.de -- Pflichtübungen für Reservist:innen: Verweigern kann man immer
CDU-Verteidigungspolitiker Thomas Röwekamp will die Freiwilligkeit bei Wehrübungen abschaffen. Das wäre zumutbar – doch einen Ausweg gibt es noch.
Bild: Ausbildung von Reservisten der Bundeswehr, am 20.11.2025 in Rotenburg/Wümme
Seit der von Olaf Scholz diagnostizierten „Zeitenwende“ vergeht kaum ein Tag ohne Vorschläge zur inneren Mobilmachung. Nun fordert [1][der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp, Pflichtwehrübungen für Reservist:innen]. In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage könne sich Deutschland keine Reserve mehr leisten, die nur auf freiwilliger Basis funktioniere, argumentiert der CDU-Mann. Deshalb will er das geltende doppelte Freiwilligkeitsprinzip abschaffen, also dass sowohl die betroffenen Reservist:innen als auch deren Arbeitgeber ihre Zustimmung zu einer Wehrübung geben müssen.
Bei den Arbeitgebern dürfte der Vorstoß ausgerechnet aus den Reihen der sonst so wirtschaftsfreundlichen Union auf wenig Gegenliebe stoßen, schließlich kann eine Wehrübung von einzelnen Tagen bis hin zu drei Monaten dauern. In der Logik der deutschen Militarisierungsdiskussion ist er aber eigentlich nur konsequent. Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, als Wehrdienstleistende:r oder als Zeit- oder Berufssoldat:in zur Bundeswehr zu gehen, der oder dem sind auch verpflichtende Wehrübungen zuzumuten.
Schließlich spielen in den Regierungsplänen, die Bundeswehr „konventionell zur stärksten Armee Europas“ (Friedrich Merz) zu machen, die Reservist:innen eine gewichtige Rolle. Deren Anzahl soll von derzeit etwas mehr als 60.000 auf 200.000 ansteigen. Doch was nützt es, wenn sie im Fall der Fälle längst ihre militärische Grundausbildung wieder vergessen haben, weil sie keinen Bock hatten, regelmäßig an Wehrübungen teilzunehmen?
Problematisch wäre es hingegen, wenn auch all jene herangezogen werden sollten, [2][die zu Zeiten der Wehrpflicht] eingezogen wurden. Formal wären das wohl noch etwa 900.000 Reservisten. Allerdings hat die Bundeswehr nicht einmal mehr deren Adressen. Die sind also zum Glück schon mal außen vor. Im Übrigen können auch die anderen Reservist:innen immer noch den Kriegsdienst verweigern. Dann bräuchten sie auch nicht mehr an irgendwelchen Wehrübungen teilzunehmen.
9 Apr 2026
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