taz.de -- Frühstück bei McDonald's: Zwanzig Jahre später

Zug verpasst. Ungeschminkt, in Winterjacke nach einer durchwachten Nacht auf dem Bahnhof. Ausgerechnet bei McDonald's ein Augenblick der Sehnsucht.

Nach einer schlaflosen Nacht gingen wir zum nahe gelegenen McDonald’s, tranken schwarzen Kaffee und aßen einen „McToast Cheese“, bevor wir zur Arbeit gingen. Das war unser Ritual damals, vor zwanzig Jahren in Buenos Aires, wo ich herkomme. Seitdem war ich nur im Notfall in einem McDonald’s gewesen; diese Frühstückskombi hatte ich allerdings seitdem nie wieder probiert. An diesem kalten Morgen aber lande ich wieder in einem McDonald’s und bestelle sie – aus Sehnsucht. Hätte ich meinen Bus und meinen Zug nicht verpasst, wäre ich nicht da.

Am Rathaus Neukölln war mir der Bus, direkt vor der Nase, eine Minute früher als angekündigt davongefahren. Der nächste sollte in acht Minuten kommen. Ich wartete stoisch. Er fuhr nur bis zur S-Bahn Treptower Park, danach hätte ich ohnehin umsteigen müssen – aber egal, Hauptsache, kurz im warmen Bus sitzen. Die Anzeige blinkte, doch der Bus kam einfach nicht. Stattdessen erschienen wieder 14 Minuten Wartezeit. Der dritte Bus brachte mich schließlich bis zum Ostkreuz. In dem Moment jedoch, in dem ich ausstieg, fuhr mein Zug nach Dessau ebenfalls ohne mich ab.

Ich hatte mich so beeilt, damit genau das nicht passiert, dass ich keine Zeit gehabt hatte, mir einen Zopf zu flechten oder mich zu schminken. Also versuche ich, mit offenen Haaren, ungeschminkt, in Winterjacke, Mütze und Handschuhen, mich im McDonald’s aufzuwärmen – dem einzigen geschlossenen Ort auf dem gesamten Bahnhof. Ich habe fast eine Stunde vor mir, bevor ich die nächste Regiobahn nehmen kann. Dann denke ich an meine Freundin von damals zurück und an jene Nächte bei ihr, in denen wir uns in ihrem Wohnzimmer alles erzählten, unsere eigenen Tarotkarten erfanden und versuchten, uns die Zukunft vorzustellen: „Wo werden wir bloß in 20 Jahren sein?“

13 Apr 2026

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Luciana Ferrando

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