taz.de -- Iran und Russland: Isolation schweißt zusammen

Irans Außenminister Araghchi trifft in St. Petersburg Russlands Präsident Putin. Die beiden stark sanktionierten Staaten klammern sich wirtschaftlich aneinander.

Bild: War schon im Juni 2025 zu Gast im Kreml bei Wladimir Putin (l): der iranische Außenminister Abbas Araghtschi

Die beiden Länder mit den am meisten sanktionieren Unternehmen der Welt klammern sich aneinander wie zwei Ertrinkende. Im Januar 2025 haben Russlands Präsident Wladimir Putin und sein iranischer Amtskollege Massud Peseschkian in Moskau eine „allumfassende strategische Partnerschaft“ unterzeichnet.

Der Vertrag besteht größtenteils aus Absichtserklärungen. Nur im Energie- und Militärsektor sind inzwischen veritable bilaterale Beziehungen zwischen Moskau und Teheran entstanden, die historisch seit der Einnahme großer Teile Persiens durch das Zarenreich immer wieder über Kreuz lagen.

In Russland sind wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine mehr als 20.000 Firmen auf westlichen Sanktionslisten, in Iran über 5.000. Mit diesen Unternehmen dürften russische Firmen keinen Handel treiben, da die Sanktionen gegen das Mullahregime UN-Maßnahmen sind.

Russland gilt formal als strategischer Partner Irans, [1][doch Moskau hat sich bislang nicht getraut, Teheran offen im Krieg zu unterstützen]. Nach Angaben westlicher Geheimdienste hat Russland seit Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 aber heimlich Kampfdrohnen an Iran geliefert und Informationen für Angriffe auf US-Militärziele im Nahen Osten weitergegeben.

Enger zusammengerückt

Politisch sind Iran und Russland seit Moskaus Vollinvasion in der Ukraine 2022 und erst recht den Angriffen Israels und der USA enger zusammengerückt. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi versicherte sich dessen auf einer kurzfristigen Visite bei Staatschef Putin und dessen Außenamtschef Sergej Lawrow am Montag in St. Petersburg.

Politisch und militärisch rücken Teheran und Moskau enger zusammen. Aber wirtschaftlich? „Das Abkommen (über strategische Kooperation) ist eine einzigartige Möglichkeit zur Vertiefung der Beziehungen unserer Länder. Indem wir die Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft ausbauen, können wir den feindlichen Sanktionen der USA Paroli bieten“, sagte der iranische Politikwissenschaftler Ruhollah Moddaber der russischen Agentur Tass.

Doch Satellitenbilder belegen, dass kaum russische Pkw oder Lkw auf iranischen Straßen fahren. Iran Khodro Diesel – der größte Lkw-Produzent des Landes – lässt indes weiter Laster mit noch aus Schah-Zeiten stammender Mercedes-Lizenz vom Band rollen oder Modelle, die Daimler Truck mit der chinesischen Partnerin Foton entwickelt hat. Die russischen Marken Lada und Kamaz bleiben außen vor. Bei Kfz-Importen überrollen chinesische Autos den Iran. Die meistgehandelten Produkte zwischen Russland und Iran sind weiterhin iranische Pistazien und russischer Weizen.

Das bisher größte Projekt, das Russland in Iran umgesetzt hat, ist das von der Deutschen Kraftwerksunion unter dem Schah begonnene und 2011 vom russischen Staatsatomkonzern Rosatom fertiggestellte Atomkraftwerk Buschehr.

Acht Meiler

Drei Jahre später war der Bau von zwei weiteren Blöcken vereinbart worden, seit vorigem Jahr ist sogar von acht Meilern die Rede. Das von Putin als „riesiges Projekt“ bezeichnete Vorhaben kommt aber wegen Zahlungsschwierigkeiten Teherans kaum voran.

Von den groß angekündigten, angeblich Dutzende Milliarden schweren Energieprojekten und Investitionen russischer Öl- und Gaskonzerne im südlichen Partnerland ist bisher nur der sogenannte Gas-Swap umgesetzt worden.

Seit vorigem Jahr liefert Gazprom Erdgas nach Iran, offiziell als Export von russischem Gas nach Indien und Pakistan. Diese beiden Staaten bekommen dafür aber in Iran gefördertes Erdgas. Die lang geplante Transitpipeline von Russland nach Indien ist indes bis heute ein Luftschloss.

Funktioniert hat indes der Nachbau iranischer „Shahed“-Drohnen in Russland: Massenhaft werden diese anfangs aus Iran gelieferten unbemannten Kampfflieger jetzt in Serie in Werken im Ural nachgebaut und als „Geran“-Drohnen weiterentwickelt.

Warenaustausch fast verdoppelt

Auch Fath-360-Kurzstreckenraketen und Boden-Luft-Raketen wurden aus Iran geliefert. Russland hatte zuvor S-400-Raketenabwehrsysteme nach Iran verkauft, die das Land nicht vor israelischen oder amerikanischen Angriffen schützen konnten, sowie Su-35-Kampfjets.

Seit 2022 haben Moskau und Teheran zwar ihren Warenaustausch von seinerzeit 4,6 Milliarden Dollar auf nunmehr gut acht Milliarden Dollar 2025 fast verdoppelt. Aber der russische Außenhandel mit der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Ägypten ist weiterhin jeweils deutlich höher als mit Iran.

„Für Iran entwickelt sich Russland zu einem unverzichtbaren Partner, während Teheran für Moskau offenbar nur eine von vielen potenziell bedeutenden Optionen darstellt und bei weitem nicht oberste Priorität hat“, urteilt Nikita Smagin, Experte für iranische Außen- und Innenpolitik, Islamismus und Russlands Politik im Nahen Osten. Er ergänzt: „Moskau sucht nach Wegen, seine Isolation im Westen auszugleichen und Teheran spielt dabei weiterhin eine wichtige Rolle. Doch das Gleichgewicht der Zusammenarbeit verschiebt sich zunehmend zugunsten Moskaus.“

Was beide eint, verstärkt noch durch die aktuellen beiden Kriege, in die beide Staaten verwickelt sind: [2][die Abhängigkeit von China]. Das Reich der Mitte ist der Hauptabnehmer ihrer Energieexporte und der alles dominierende Außenhandelspartner. Peking ist mithin die Überlebensader beider Regimes.

27 Apr 2026

[1] /Russland-und-der-Iran-Krieg/!6159776

[2] /Achse-China-Iran/!6170187

AUTOREN

Mathias Brüggmann

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