taz.de -- Studie zu globalem Waldverlust: Fleischproduktion zerstört die Urwälder

Eine neue Studie zeigt, wie sehr Rindfleisch die globale Entwaldung vorantreibt. Klar wird aber auch: Die Emissionen aus Waldverlust wurden überschätzt.

Bild: Regenwald wird abgeholzt, um Platz für Viehzucht und Landwirtschaft zu schaffen

Berlin taz | Rindfleisch ist der weltweit größte Treiber landwirtschaftlich bedingter Entwaldung. Das zeigt [1][die Plattform „Deforestation Footprint“], die auf einer kürzlich [2][in „Nature Food“ veröffentlichten Studie] basiert. Auf Rindfleisch entfallen demnach 39 Prozent, gefolgt von Palmöl mit 9 Prozent und Sojabohnen mit 5 Prozent.

Den Daten zufolge gingen zwischen 2001 und 2023 weltweit 128 Millionen Hektar Wald durch landwirtschaftlich bedingte Entwaldung verloren. Mehr als 80 Prozent davon lagen in den Tropen. Insgesamt wurden so 50 Milliarden Tonnen CO2 emittiert.

Den Autoren zufolge bestätigt die Studie die große Wirkung der [3][Fleischproduktion], zeigt aber auch mehrere übersehene Treiber der Entwaldung. Die Daten zeigen, dass Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Maniok zusammen mit 11 Prozent mehr Entwaldung verursachen als exportorientierte Kulturen wie Kakao, Kaffee und Kautschuk mit weniger als 5 Prozent. Die Entwaldung durch Grundnahrungsmittel konzentriere sich nicht wie bei Palmöl oder Soja auf einzelne Hotspots, sondern verteile sich über große Teile der Welt.

„Die Debatte über [4][Entwaldung] hat sich stark darum gedreht, wie Menschen in reichen Ländern wie unserem mit ihren Rohstoffimporten Entwaldung verursachen, und das ist absolut wichtig anzugehen“, so Studienautor Martin Persson. „Aber ein großer Teil der Entwaldung wird durch Agrarproduktion für Binnenmärkte angetrieben.“ Um die Entwaldung wirklich zu verringern, sei deshalb auch Handeln in den Erzeugerländern nötig.

Geschätzte Emissionen niedriger als gedacht

Die Daten enthalten auch eine gute Nachricht: Die Studie schätzt die durch Entwaldung entstandenen Emissionen auf weniger als die Hälfte von früheren Schätzungen. Das führen die Autoren auf bessere Daten zurück, nicht auf weniger Entwaldung. „Selbst wenn die Zahl niedriger ist als frühere Schätzungen, verursacht die landwirtschaftlich getriebene Entwaldung immer noch rund 5 Prozent der gesamten Kohlendioxid-Emissionen der Welt“, so Autor Chandrakant Singh.

Das sei durch neu entwickelte Methoden möglich geworden. Studien zur Entwaldung seien oft auf einzelne Produkte oder Länder fokussiert, so Singh. „In unserer Studie haben wir umfangreiche Satellitendaten zur Landnutzung mit Agrarstatistiken so kombiniert, dass wir ein bisher umfassendstes und genauestes Bild davon erhalten, was die weltweite Entwaldung antreibt“, sagte Singh.

Den Autoren zufolge ist die Studie die bislang umfassendste globale Erhebung zu rohstoffgetriebener Entwaldung. Ihr Modell deckt 179 Länder und 184 Rohstoffe ab. Sie betrachtet ausdrücklich nur landwirtschaftlich getriebene Entwaldung. Andere wichtige Treiber wie Bergbau und Energiesektor fehlen noch und sollen erst in künftigen Analysen berücksichtigt werden.

4 May 2026

[1] https://deforestationfootprint.earth/

[2] https://www.nature.com/articles/s43016-026-01305-4

[3] /Ausbeutung-in-der-Fleischindustrie/!5984183

[4] /Entwaldung-in-Brasilien/!6154788

AUTOREN

Lalon Sander

TAGS

Schwerpunkt Klimawandel

klimataz

Rindfleisch

Landwirtschaft

Abholzung

Mercosur

EU-Kommission

Schwerpunkt Klimawandel

ARTIKEL ZUM THEMA

EU-Mercosur-Handelsabkommen: Rindfleisch gegen Autos

Das Abkommen zwischen EU und Mercosur-Block soll am Samstag in Paraguay unterzeichnet werden. Worum geht es? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Vertagte EU-Waldschutz-Verordnung: „Nun wird weiter abgeholzt“

Die grüne EU-Abgeordnete Anna Cavazzini warnt vor großen Rissen in der Brüsseler Brandmauer. Das sei fürs Klima und die Biodiversität ein Desaster.

EU-Mercosur-Freihandelsabkommen: Weltgrößter Fleischproduzent JBS könnte massiv profitieren

Greenpeace warnt: Der Vertrag zwischen EU und vier südamerikanischen Staaten könnte besonders großen und klimaschädlichen Wirtschaftsplayern nützen.