taz.de -- Baumbesetzung in Flensburg: Hängematten im Bahnhofswald

Ein Wald am Flensburger Bahnhof soll für ein Parkhaus und ein Hotel plattgemacht werden. Aktivist*innen wollen das verhindern.

Bild: Gibt's jetzt auch in Flensburg: Baumbesetzungen wie diese im Dannenröder Wald Mitte September

Hamburg taz | Waldbesetzungen haben gerade Hochkonjunktur: Am Donnerstag überschlugen sich die Meldungen von Baumschützer*innen, die in die Äste geklettert sind, um Holzfällarbeiten zu behindern. Während am ersten Tag der Rodungssaison, dem 1. Oktober, [1][im hessischen Dannenröder Wald] schon Kettensägen angelegt wurden, ging es in [2][Flensburg] eher entspannt zu.

Dort hatten in der Nacht auf Donnerstag Umweltschützer*innen Hängematten in den Bahnhofswald gehängt [3][und die Bäume für besetzt erklärt]. Die Polizei verschaffte sich ein Bild von der Lage und zog am Mittag wieder von dannen.

Seit 2013 gibt in Flensburg den Plan, das Bahnhofsquartier dicht zu bebauen. Ein Sportplatz und ein Kulturverein mussten schon weichen, als nächstes soll der Bahnhofswald für ein Intercity-Hotel und ein Parkhaus weichen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen und sammelt per Crowdfunding Geld für eine Normenkontrollklage. Aber weil so eine Klage eben dauert, haben aktionsorientiertere Flensburger*innen die Bäume schon mal besetzt.

„Wir verstehen nicht, wie man im Jahr 2020 einen Wald für ein Parkhaus plattmachen kann“, sagt Mike Waldmann von der Gruppe „Redd de Bahnhoffsbööm“. „Flensburg braucht weder mehr Parkplätze [4][noch mehr Tourismus].“ Die Fixierung auf den Autoverkehr sei antiquiert und die Touri-Massen führten schon jetzt zu hohen Quadratmeterpreisen und einer aussterbenden Innenstadt.

Besetzer*innen wollen erstmal bleiben

Mit ihrer Besetzung solidarisieren sich die Flensburger*innen auch mit den Baumschützer*innen im Dannenröder Wald. Ihre Hängematten wollen sie erst mal hängen lassen, ein Baumhaus befinde sich gerade im Bau.

Die Ratsfraktion der Linken begrüßte die Besetzung. „Es kann nicht sein, dass den Profitinteressen von Investoren unsere Stadtentwicklung überlassen wird“, sagte deren Sprecher Luca Grimminger.

1 Oct 2020

[1] /Rodungen-im-Dannenroeder-Wald/!5718068

[2] /Ausstellung-auf-Flensburger-Museumsberg/!5651011

[3] https://twitter.com/boomdorp/status/1311581473938571264

[4] /Touristen-in-den-Bergen/!5713088

AUTOREN

Katharina Schipkowski

TAGS

Wald

Schwerpunkt Klimawandel

Flensburg

Besetzung

klimataz

Besetzung

Baumbesetzer*innen

Schwerpunkt Klimawandel

Flensburg

Autobahn

Lesestück Recherche und Reportage

Schwerpunkt Klimawandel

Extinction Rebellion

ARTIKEL ZUM THEMA

Investoren räumen auf eigene Faust: Privatarmee im Bahnhofswald

Weil die Stadt Flensburg sich weigerte, den besetzten Bahnhofswald räumen zu lassen, haben es die Investoren privat versucht. Die Polizei stoppte das.

Baumhäuser im Flensburger Bahnhofswald: Räumung ante portas

Im Flensburger Bahnhofswald droht die Räumung der besetzten Baumhäuser: Der Investor macht Druck und die Stadt verweist auf den Brandschutz.

Protest gegen Abholzung in Flensburg: Hotel statt Wald

In Flensburg harren Aktivist*innen seit drei Monaten im Bahnhofswäldchen aus. Es ist die nördlichste Waldbesetzung Deutschlands.

Baumbesetzung in Flensburg: Widerstand in den Wipfeln

In Flensburg kämpfen eine Bürgerinitiative und eine Gruppe von Aktivist*innen gegen die Rodung eines Waldstücks am Bahnhof.

Proteste im Dannenröder Wald: Erste Bäume gefällt

Seit einem Jahr besetzen Aktivist*innen den Dannenröder Wald, um eine Rodung zu verhindern. Nun rückten die Holzfäller an.

Neue Schnellbahn in Großbritannien: Ökorebellion im alten England

Der Bau des derzeit größten Infrastrukturprojekts Europas HS2 beginnt – und der Widerstand wächst. Denn jahrhundertealte Wälder müssen weichen.

Rodungen im Dannenröder Wald: Tag X ist gekommen

Pünktlich zum Ende der Vegetationsphase rücken Baumfäller und Polizei im besetzten Wald an. Hier soll für den Weiterbau der A49 gerodet werden.

Extinction Rebellion protestiert wieder: Wider die Zerstörung

Ab kommender Woche will Extinction Rebellion wieder fürs Klima protestieren. Auch Aktionen zivilen Ungehorsams sind geplant.