taz.de -- Deutschlands Klimabilanz 2023: Nur ein bisschen Klimaschutz
Die Treibhausgas-Emissionen sind gesunken. Das liegt an der schwächelnden Wirtschaft – die Industrie muss sich aber grundsätzlich wandeln.
Bild: Das Kraftwerk Jaenschwalde LEAG an einem trĂĽben Herbsttag im November 2023
Es klingt wie ein großer Erfolg: [1][Um 10 Prozent sind die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen 2023 hierzulande gegenüber dem Vorjahr gesunken] – das wäre sogar noch etwas mehr als im Coronajahr 2020. Damals blieben alle zu Hause, statt mit den viel zu vielen deutschen Autos herumzufahren oder mit dem Flugzeug durch die Welt zu jetten. Die Produktion der Industrie brach zusammen. Um mehr als 8 Prozent gingen die Emissionen damals zurück. Aber eben mit dem Wermutstropfen: Es lag gar nicht am Klimaschutz, sondern an der Pandemie. Gleich 2021 stiegen die Emissionen denn auch wieder.
Leider ist das auch diesmal so ähnlich. Nicht Corona ist schuld, aber eben die allgemein schlechte Wirtschaftslage seit der Energiekrise im vergangenen Jahr. Daraus kann man schließen, dass [2][Deutschland eine Degrowth-Strategie braucht], die eine schrumpfende Wirtschaft mit geringem Energieverbrauch lebenswert organisiert.
Nur ist das natürlich nicht das Ziel der Bundesregierung. Die Wirtschaft soll wieder wachsen. Das heißt: Die vergleichsweise guten Emissionszahlen des vergangenen Jahres dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Industrie sich noch massiv wandeln muss. Außerdem steht die Blockade der FDP bei allem, was die Begeisterung für das klimaschädliche Autofahren auch nur im Geringsten bremsen könnte, dem Klimaschutz im Weg.
Das schmälert nicht die Erfolge der Energiewende. Immerhin 15 Prozent der Emissionseinsparung sind auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz zurückzuführen. Trotz Atomausstieg gab es deutlich weniger Kohlestrom als im Vorjahr. Die Warnung der Atomfans, das Abschalten der letzten deutschen AKWs sei ein Klimadebakel, hat sich somit nicht bewahrheitet. Stattdessen ist der Anteil der erneuerbaren Energie am Strommix gestiegen. Teilweise wurde dieser Strom aus Nachbarländern importiert. Aber warum auch nicht? Es zeigt, dass klimaschädliche Kohle für den Planeten keine gute Idee ist, aber auch nicht für die Wirtschaft.
6 Jan 2024
LINKS
[1] /Deutschland-2023-weniger-klimaschaedlich/!5980054
[2] /Kapitalismus-und-Klimaschutz/!5879301
AUTOREN
TAGS
ARTIKEL ZUM THEMA
Weltparlament für die Natur: „Müssen den Planeten ins Boot holen“
Die Planetaren Demokrat_innen wollen ein Parlament, in dem die Interessen des Atlantiks vertreten werden. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Anton Rüpke.
Steinkohlekraftwerk Scholven in NRW: Blockade durch „Ende Gelände“
Stundenlang harrten am Samstag rund 100 Aktivist*innen am Kraftwerk aus. Die Forderung: ein Kohleausstieg sofort. Am Nachmittag ging die Polizei gegen sie vor.
Energiekrise vorbeugen: EU hält am Gassparen fest
Die EU-Energiekommissarin kritisiert die deutschen Umlagen beim Gashandel als unsolidarisch. Ihre bisherigen Sparziele hat die Union erreicht.
Umwelthilfe zieht Mercedes vor Gericht: Klimaklage gegen CO2-Schleudern
Mercedes-Benz soll spätestens 2030 keine Verbrenner mehr verkaufen dürfen, fordert die DUH. Der Verein verklagt den Autobauer und andere Konzerne.
Energiewende: RWE bleibt länger bei Braunkohle
Geht es nach dem Konzern, sollen zwei Braunkohle-Blöcke ein Jahr länger laufen. Laut Greenpeace sind das besonders dreckige Anlagen.
Habeck über Atomausstieg: AKW-Abschaltung „unumkehrbar“
Am Samstag werden die letzten drei deutschen AKWs abgeschaltet. Und abgerissen, erklärt Wirtschaftsminister Habeck. Zuvor hatte sich die FDP wieder quergestellt.