taz.de -- Anschlag in Solingen: Verhasste Vielfalt
Islamistische Extremisten und Rechtsradikale hassen gleichermaßen gesellschaftliche Vielfalt. Es sind zwei Seiten einer Medaille.
Bild: Schock und Trauer nach dem Anschlag auf das Stadtfest in Solingen
Nach dem [1][furchtbaren Attentat auf einem Volksfest in Solinge]n am vergangenen Freitag ist es besonders wichtig, uns klarzumachen, dass die Vielfalt, die unsere Gesellschaft in Deutschland prägt, von IS-Terroristen ebenso angeprangert und angegriffen wird wie von Rechtsradikalen. Es sind zwei Seiten einer Medaille.
Der sogenannte Islamische Staat ist eine Ansammlung von irregeführten Individuen mit psychopathischen Zügen. Die sind realitätsfern, weder islamisch noch staatlich und haben wie alle Extremisten – religiöse oder politische – das Ziel, [2][die Gesellschaft zu entzweien], um ihre kranke Ideologie zu legitimieren.
So gehen alle Extremisten vor, egal ob es sich um rechtsradikale, linksradikale, muslimische, christliche oder jüdische Attentäter handelt. Sie wollen Chaos, um dem Rest der Gesellschaft sagen zu können: „Wir haben es euch ja gesagt!“
Unsere Antwort auf sie und alle anderen Extremisten muss ein entschiedenes „NEIN“ gegen jegliche Entzweiung sein. Unsere Gesellschaft ist stark genug, diese Extremisten zu isolieren und ihnen den Nährboden für ihren Hass zu entziehen.
Die Gesellschaft ist stärker als wir denken
Noch wichtiger ist in der jetzigen aufgeheizten Debatte jedoch, sich gegen eine [3][Instrumentalisierung dieses brutalen Anschlags] zu stellen. Denn ein Teil der Atheisten und areligiösen Menschen machen immer wieder die Religionen für alles Böse auf der Welt verantwortlich. Das ist inakzeptabel.
Die im Grundgesetz festgeschriebenen demokratischen Werte sind bei den Menschen im Land verankert. Sie können die zerstörerische Wirkung derer, die solche Anschläge wie in Solingen und anderswo zu instrumentalisieren versuchen, neutralisieren. Denn wir sehen die unantastbare Würde aller Menschen, und Extremisten wollen diese Würde angreifen und herabsetzen.
Die tiefe Trauer über diejenigen Menschen, die bei dem Attentat ermordet oder verletzt wurden, darf nicht dazu führen, dass es zu Verallgemeinerungen kommt und sich Hass und Hetze gegen andersgläubige Menschen verbreiten.
25 Aug 2024
LINKS
[1] /Anschlag-in-Solingen/!6032053
[2] /Mutmasslicher-IS-Anschlag-in-Solingen/!6032071
AUTOREN
TAGS
Schwerpunkt Islamistischer Terror
ARTIKEL ZUM THEMA
Debatte um Migration: Fatale Normalisierung
Rechte Narrative bahnen sich immer stärker den Weg in die gesellschaftliche Mitte. Und die rechtspopulistischen Parteien kassieren die Dividende.
Machetenangriff auf Polizeiwache in Linz: Angriff islamistisch motiviert
In der Nacht betritt ein Mann mit Machete eine Polizeiwache in Rheinland-Pfalz und droht, Polizist*innen zu töten. Spezialkräfte nehmen ihn fest.
Kundgebungen in Solingen: Ein Tag zwischen Trauer und Demos
Dutzende Rechte demonstrieren in Solingen nach dem Anschlag. Doch die Zivilgesellschaft hält zusammen und stellt sich den Extremisten entgegen.
Zunahme von Messerangriffen: Keine Messer für Männer
Im Bund wird über ein schärferes Waffengesetz diskutiert und Berlin prüft die Einrichtung von Messerverbotszonen. Helfen allein wird beides nicht.
Antisyrische Pogrome in der Türkei: Straßenterror gegen Geflüchtete
Mehrere Nächte lang haben in der Türkei Mobs syrische Geschäfte angegriffen. Präsident Erdoğan kann die Wut auf die Geflüchteten nicht einfangen.
Attentat in Mannheim: Karlsruhe ermittelt zu Messerangriff
Nach der Messerattacke von Mannheim übernimmt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Über Abschiebungen ist eine neue Debatte entbrannt.