taz.de -- Der SPD-Vorschlag einer Abwrackprämie: Widersprüchlich und kurzatmig
E-Autos stärker zu fördern, ergibt durchaus Sinn. Allerdings sind gerade erst Förderungen abgeschafft worden und die Haushaltslöcher schon jetzt groß.
Bild: Die SPD befürwortet eine neue Abwrackprämie
Eine politische Notreparatur kündigt sich an für das Treffen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit der Autoindustrie am Montag. So kommt aus der SPD der Vorschlag, eine neue Abwrackprämie einzuführen, um fossil betriebene Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen und den [1][Verkauf von Elektroautos anzukurbeln.] Auch die IG Metall fordert zusätzliche Förderung. Teilweise mag das helfen, aber es wäre auch widersprüchlich und kurzatmig.
Den hiesigen Autoproduzenten machen Verkaufs- und Gewinnrückgänge Sorgen. Bei [2][VW drohen Arbeitsplätze wegzufallen oder gar Werke geschlossen zu werden]. Dem könnten staatliche Zuschüsse für den Kauf von E-Fahrzeugen durchaus entgegenwirken. Sie würden die Gewinnsituation verbessern und dazu beitragen, dass die Unternehmen die Investitionen finanzieren, die für die Umstellung der Industrie auf den elektrischen Antrieb nötig sind. Weniger Verbrenner und mehr E-Autos verringern zudem den CO2-Anteil des Verkehrs.
Andererseits ist diese Diskussion erstaunlich widersprüchlich. Vor weniger als einem Jahr erst hat die Ampel auf Betreiben der FDP den Kaufbonus für E-Autos abgeschafft. Die Abwrackprämie steht zudem in Konkurrenz zu Maßnahmen, die die Regierung in ihrer Wachstumsinitiative vereinbart hat. So soll es zusätzliche steuerliche Vergünstigungen für elektrische Firmen- und Dienstfahrzeuge geben.
Die Debatte erscheint daher auch finanzpolitisch kurzatmig. Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP hat [3][Mühe, einen Haushalt für 2025 aufzustellen]. Dutzende Milliarden Euro fehlen. Zusätzliche Ausgaben für E-Auto-Kaufprämien verschärfen das Problem. Dass die FDP und Finanzminister Christian Lindner so etwas mitmachen, ist ziemlich unrealistisch.
Besser wäre ohnehin eine echte Reparatur. Kaufanreize für Elektroautos ergeben durchaus Sinn, allerdings sollten eher kleine und mittlere Fahrzeuge, die attraktiv für breite Käuferschichten sind, subventioniert werden.
22 Sep 2024
LINKS
[1] /Ladesaeulen-fuer-E-Autos/!6032815
[3] /Debatte-ueber-Haushalt/!6032693
AUTOREN
TAGS
ARTIKEL ZUM THEMA
Autogipfel im Wirtschaftsministerium: Ein bisschen mehr Abgas soll’s sein
Wirtschaftsminister Habeck verspricht der Autoindustrie, in Brüssel für mildere CO2-Regeln zu kämpfen. Dort stößt das auf wenig Gegenliebe.
Deutschlandticket und E-Auto-Gipfel: Mehr Geld oder mehr Kund:innen?
Verkehrsminister:innen verhandeln am Montag über das 49-Euro-Ticket. Nicht nur für die Zukunft des Tickets liegen neue Vorschläge auf dem Tisch.
Proteste gegen Lithiumabbau in Serbien: Die Schattenseiten des E-Autos
Mit dem Rohstoff Lithium muss sparsamer umgegangen werden als bisher. Die Gigantomanie bei E-SUVs mit 700 Kilogramm Batteriemasse ist inakzeptabel.
Elektromobilität: Im Kleinstwagen zur Verkehrswende
Leichter, effizienter, elektrisch: In Spanien wird ein Nanocar als Gegenmodell zum fossilen Kleinwagen entwickelt. Eine Testfahrt.
Demo bei VW-Hauptversammlung: Elektromobilität zur Besänftigung
Der VW Kozernchef will mehr auf E-Autos setzen. Das reicht Umweltaktivist*innen nicht. Sie fordern den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.