taz.de -- Ex-RBB-Chefin wird Krisenberaterin: Schlesinger wird in den Sternenkreis erhoben
Patricia Schlesinger wird Krisenberaterin bei einer Berliner Firma. Das passt: Mit Krisen kennt sie sich aus, sie hat beim RBB einige mitverantwortet.
Bild: Krisen kennt Schlesinger, bisher meist als Grund, bald wohl aber auch als Löserin
Natürlich lässt es sich herrlich darüber herziehen, dass die frühere RBB-Intendantin Patricia Schlesinger jetzt bei der Berliner Beratungsagentur Stella Circle angeheuert hat. Die bietet ein Rundum-sorglos-Paket für Führungskräfte an. Es richtet sich an das „C-Level“, also die Chef*innenetagen, und setzt auf „Krisenkommunikation“, den „Umgang mit beruflichen Belastungen“ und den „Aufbau von Resilienz“. Schlesinger wird jetzt eine sogenannte „Navigatorin“ im Sternenkreis und soll bereits im Job stehenden und künftigen Stars und Sternchen der Wirtschaft den rechten Weg weisen.
Mit solchen „Führungskräfte-Themen“ kennt sich Schlesinger ja auch bestens aus. Die Krisenkommunikation des RBB im Sommer 2022 war ein Desaster. Aber aus Fehlern lernt es sich bekanntlich am besten. Berufliche Belastung war in jedem Fall mit im Spiel. Auch jede Menge von ihr ausgehend Belastendes für andere, der Sender kaut heute noch daran. Und mit der Resilienz ist das auch so eine Sache. Jedenfalls gab Schlesinger bislang die gekränkte Unschuld [1][und spannte sogar die gute alte Zeit vor ihren Karren].
Kann sie Beraterin, oder wird hier die Geiß zur Gärtnerin gemacht? Wahrscheinlich beides. Denn vielleicht hat Patricia Schlesinger ja a) gar keine totale Persönlichkeitsveränderung hinter sich und es schlummern noch Teile der toughen Journalistin und NDR-Hierarchin in ihr, die in Hamburg viel möglich machte.
Und wenn es sehr gut läuft, hat sie b) aus dem Fiasko namens „I was the [2][RBB]-Intendantin“ etwas gelernt, das hinausgeht über das bei Stella Circle übliche Berater*innen-Denglisch. Einerseits ruft die Stella-Website „Willkommen im Stella Circle, Deinem Safe Space für Entwicklung in jeder Phase der Führungskarriere“. Denn es geht ja ums „Manifest für progressive Leadership“.
Alleinherrscherin muss Teamsport machen
Dann heißt es wieder sehr zutreffend: „An der Spitze werden Entscheidungen größer und die Räume für ehrliche Reflexion kleiner“. Diese Erfahrung dürfte auch die frühere Berliner-Bank-Chefin Stefanie Salata teilen, die die fast ausschließlich von Frauen geführte Agentur Stella Circle 2023 mit gegründet hat.
„Führung wird oft als Einzeldisziplin inszeniert. Dabei ist sie längst Teamsport“. Wobei die Realität meistens anders aussieht. „Auf C-Level fehlt es oft an ehrlicher Rückmeldung und echten Verbündeten.“ Alles richtig, und trotzdem verdammt schwer zu ändern. Es wird interessant, wie die bisherige Alleinherrscherin Schlesinger hier performt.
„Gehört sie zu den Stellas, Lunas oder Novas? Schön, dass Klüngel bei Frauen wie Männern mit Vitamin C, von hier bis Berlin funktionieren“, meint die Mitbewohnerin. Und das ist fast so spannend, wie zu lästern, ob sie ihre Beratungskohle mit dem [3][eben eingeklagten Ruhegeld des RBB] verrechnet oder für ’nen guten Zweck spendet.
23 Jul 2025
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