taz.de -- Bauernproteste vor zwei Jahren: Strafbefehle wegen Bauernblockade gegen Habeck

Im Zuge von Bauernprotesten wurde 2024 eine FĂ€hre blockiert, mit der der Ex-Wirtschaftsminister aus dem Urlaub zurĂŒckkehrte. Nun gibt es Strafbefehle.

Bild: Nach nur etwa zwei Jahren wurden nun mehrere Strafbefehle gegen möglicherweise Beteiligte erlassen

afp/taz | Fast zwei Jahre nach Bauernprotesten gegen den damaligen Vizekanzler Robert Habeck (GrĂŒne) [1][an einem FĂ€hranleger im schleswig-holsteinischen SchlĂŒttsiel] hat die Staatsanwaltschaft Flensburg ihre Ermittlungen abgeschlossen. Gegen sechs Beschuldigte seien Strafbefehle unter anderem wegen gemeinschaftlicher Nötigung beantragt und bereits vom zustĂ€ndigen Amtsgericht erlassen worden, teilte die Behörde am Montag mit. Die Beschuldigten können dagegen Einspruch einlegen, dann kĂ€me es noch zur öffentlichen Hauptverhandlung.

Laut Staatsanwaltschaft verhĂ€ngte das Amtsgericht Husum in der vergangenen Woche gegen fĂŒnf Beschuldigte antragsgemĂ€ĂŸ Geldstrafen von 25 bis 40 TagessĂ€tzen in Höhen zwischen 80 und 120 Euro. Der sechste VerdĂ€chtige, der sich am gewaltsamen Durchbrechen einer Polizeikette beteiligt haben soll, erhielt eine Haftstrafe von sieben Monaten auf BewĂ€hrung. Ihm wird zusĂ€tzlich unter anderem Landfriedensbruch vorgeworfen. Zudem soll er 500 Euro Geldauflage zahlen.

Am Abend des 4. Januars 2024 hatten sich etwa 250 bis 300 Demonstranten im Hafen von SchlĂŒttsiel versammelt, in dem eine von der Hallig Hooge kommende InselfĂ€hre mit Habeck anlegen sollte. Es handelte sich um ein normales Schiff, an Bord waren auch andere FahrgĂ€ste. Aufgrund von Sicherheitsbedenken fuhr Habeck mit der FĂ€hre nach Hooge zurĂŒck. WĂ€hrend des Ablegevorgangs versuchten Demonstranten damals, eine Polizeikette zu durchbrechen und zum Schiff zu laufen.

Die FĂ€hrblockade ereignete sich wĂ€hrend bundesweiter Proteste von Landwirten gegen eine geplante Streichung von Subventionen durch die damalige Bundesregierung aus SPD, GrĂŒnen und FDP. Habeck, der aus Schleswig-Holstein stammt, war Bundeswirtschaftsminister. [2][Zu der Blockade hatte auch Rechtsextreme mobilisiert.]

Habeck war damals privat an der Nordsee unterwegs. Die Blockade der FĂ€hre sorgte bundesweit fĂŒr Aufsehen und parteiĂŒbergreifende Kritik, der Deutsche Bauernverband [3][und der Bauernverband Schleswig-Holstein distanzierten] sich davon. Habeck Ă€ußerte sich damals besorgt ĂŒber die aufgeheizte Stimmung im Land. SpĂ€ter sagte er in einem Interview, er habe nach dem Vorfall mit seiner Familie auch ĂŒber einen RĂŒckzug aus der Politik gesprochen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wollten die Demonstranten ein GesprĂ€ch mit dem Minister „erzwingen“ und machten diesem und den ĂŒbrigen Passagieren deshalb ein Verlassen der FĂ€hre „unmöglich“. Bei den Ermittlungen wurden demnach noch drei weitere Teilnehmer identifiziert. Bei ihnen sei mit der Zustimmung des Gerichts aber von einer Strafverfolgung abgesehen worden, weil sich ihr Beitrag „im Wesentlichen“ darauf beschrĂ€nkte, „anwesend“ gewesen zu sein.

15 Dec 2025

[1] /Proteste-gegen-Kuerzungen/!5983706

[2] /Extremisten-wollen-Agrarproteste-kapern/!5981385

[3] /Generalsekretaer-ueber-Habeck-Faehre/!5982110

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