taz.de -- Norwegens Königshaus unter Druck: Reger Mailverkehr mit Jeffrey Epstein

Ermittlungen zufolge soll Kronprinzessin Mette-Marit oft mit dem US-Sexualstraftäter korrespondiert haben. Ab Dienstag steht ihr ältester Sohn vor Gericht.

Bild: Eine schrecklich nette Familie: Marius Borg Høiby und die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit

Sie selbst nennt es peinlich. Ob damit die ganze Tragweite erfasst ist, wird aber angezweifelt: Seit dem Wochenende weiß ganz Norwegen, dass Kronprinzessin Mette-Marit zwischen 2011 und 2013 eifrig E-Mails mit Jeffrey Epstein austauschte. Der Tonfall ist dabei häufig scherzhaft, flirtend, süffisant.

Das geht laut dem norwegischen Rundfunk NRK aus den am Freitag [1][veröffentlichten US-Ermittlungsakten im Fall des 2019 in Haft zu Tode gekommenen US-amerikanischen Investmentbankers und verurteilten Sexualstraftäters hervor]. Die neuen Einblicke werden in Norwegen mit Staunen, Empörung und Sorge debattiert. Reicht es nicht langsam?

Ab Dienstag steht Mette-Marits ältester Sohn, den sie als Vierjährigen in die Ehe mit dem norwegischen Kronprinzen Haakon mitgebracht hatte, in Oslo vor Gericht. [2][Dem heute 29-jährigen Marius Borg Høiby werden unter anderem vier Fälle von Vergewaltigung im Schlaf vorgeworfen].

Das Königshaus ist eine zentrale Institution Norwegens. Seit 1991 repräsentieren König Harald und Königin Sonja das Land und dessen Bevölkerung auf sympathische, integrierende und weithin als würdig angesehene Weise. Dasselbe wird im Grunde vom Thronfolgerpaar Haakon und Mette-Marit erwartet.

Viel Anteilnahme

Anfangs wegen ihrer sogenannten Partyvergangenheit misstrauisch beäugt, gilt sie eigentlich als beliebte Kronprinzessin. Ihr Kampf mit dem schweren Verlauf einer chronischen Lungenfibrose etwa sorgt allgemein für viel Anteilnahme. Die Anklagen gegen ihren ältesten Sohn änderten daran wenig.

Doch nun fand der NRK bei seiner Durchsicht der Epstein-Akten ihren Namen mehrere Hundert Mal. In zahlreichen E-Mails an Epstein schrieb die Kronprinzessin demnach unter anderem über ihr Familienleben und plauderte über Themen wie Literatur, Gesundheit und Meditation. Aber auch seine „Ehefrauen-Jagd“ und die Frage, ob er in Paris oder in Skandinavien eher fündig würde, waren Thema, ebenso wie sein Charme.

Ein als unangemessen angesehener Austausch handelt von zwei Norwegerinnen im Alter von 24 und 25 Jahren, von denen Epstein aus Paris bei der sogenannten Ehefrauen-Jagd berichtet. „Ich mag Oslo“, schreibt er dazu. „Mein Gott! Du musst betrunken sein“, antwortet Mette-Marit. „Tippfehler. Die Mädchen sind 24 und 25? Ich mag Oslo auch. Ruf mich morgen an.“

Dass die Kronprinzessin Epstein zwischen 2011 und 2013 mehrfach getroffen hat, wusste man in Norwegen seit 2019. Die Bekanntschaft war laut Königshaus über Dritte auf gesellschaftlichen Events entstanden. Da galt die Aufregung vor allem der Tatsache, dass er bereits 2008 verurteilt worden war, eine Minderjährige für sexuelle Dienste bezahlt zu haben, was sie hätte wissen müssen.

Offenkundige Vertraulichkeit

Mette-Marit erklärte damals reumütig, sie hätte niemals Kontakt mit ihm gehabt, wenn ihr die Schwere seiner kriminellen Handlungen bewusst gewesen wäre. Schon damals wunderten sich Kritiker, ob es im Schloss kein Google gebe.

Was die norwegische Öffentlichkeit an der jetzt veröffentlichten Korrespondenz schockiert, ist die offenkundige Vertraulichkeit zwischen den beiden. So schrieb die Kronprinzessin Epstein etwa 2012 per E-Mail, er sei charmant, was er nonchalant mit „ich weiß“ beantwortete.

Was sie nun zu den Enthüllungen sagt, ähnelt ein wenig dem Statement von 2019: „Ich muss verantworten, dass ich Epsteins Hintergrund nicht besser überprüft habe und nicht schnell genug verstanden habe, was er für ein Mensch war“, schrieb sie NRK am Samstag. Das täte ihr sehr leid. „Ich habe schlechtes Urteilsvermögen bewiesen und bereue, dass ich überhaupt Kontakt mit Epstein hatte. Es ist schlicht und einfach peinlich.“

Über 30 Anklagepunkte

„Gelinde gesagt, sehr unglücklich“ nennt es der norwegische Königshausexperte Harald Stanghelle. „Das ist mehr als ‚schlechtes Urteilsvermögen‘ und ‚peinlich‘“, sagte er.

Im Januar 2013 beendete Mette-Marit eine E-Mail an Epstein mit den Worten: „Jetzt fängt Marius’ Geburtstag an. Ich muss los.“ Ihr Ältester wurde damals 16. Inzwischen ist er 29. Nun muss er sich in über 30 Anklagepunkten vor Gericht verantworten. Die schwersten: vier Vorwürfe der Vergewaltigung im Schlaf, in einem Fall mit Geschlechtsverkehr.

Zudem werden ihm unter anderem Körperverletzung und Sachbeschädigung angelastet. Es geht um einem Fall, der 2024 alles ins Rollen gebracht hatte. Opfer war auch hier eine Ex-Freundin, wie in mehreren der ihm angelasteten Taten. Diese Vorwürfe hatte Høiby eingeräumt, das alles sei unter Alkohol- und Drogeneinfluss geschehen. Er bestreitet hingegen die ihm zur Last gelegten Sexualstraftaten.

2 Feb 2026

[1] /Veroeffentlichung-neuer-Epstein-Akten/!6150282

[2] /Prozess-in-Norwegen/!6108195

AUTOREN

Anne Diekhoff

TAGS

Norwegen

Jeffrey Epstein

Oslo

Königshaus

Adel

GNS

Reden wir darüber

Mette-Marit

Norwegen

Norwegen

Jeffrey Epstein

Jeffrey Epstein

Norwegen

Jeffrey Epstein

Schlagloch

Jeffrey Epstein

sexueller Missbrauch

Schwerpunkt USA unter Trump

Jeffrey Epstein

Königshaus

ARTIKEL ZUM THEMA

Marius Borg Høiby vor Gericht: Showdown in Oslo

Am Ende des Prozesses gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin fordert die Verteidigung einen Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen.

Rücktritt von WEF-Chef Børge Brende: Noch einer fällt über die Epstein Files

Sein Name war in den Epstein Files aufgetaucht – jetzt nimmt der WEF-Chef den Hut. Eine Kommission soll die Verstrickungen der norwegischen Elite untersuchen.

Epstein-Skandal in Norwegen: Ex-Regierungschef liegt im Krankenhaus

Thorbjørn Jagland, gegen den in Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal ermittelt wird, ist krank. Laut Anwalt ist das eine Folge zu großen Drucks.

Epstein-Files: Jeffrey Epstein und seine norwegischen Freunde

Norwegen ist wegen der Verstrickungen wichtiger Landsleute in Aufruhr. Zuletzt trat Topdiplomatin Juul zurück. Ihre Kinder standen in Epsteins Testament.

Neue Epstein-Files: Akten des Grauens

Millionen neuer Dateien zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein – welche Rolle Russland und Israel spielen, welche Folgen das für Trump haben könnte.

Marius Borg Høiby vor Gericht: Ein norwegisches Häufchen Elend

Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit erklärt sein Leben im Rausch. Erster verhandelter Anklagepunkt ist eine mutmaßliche Vergewaltigung.

Mette-Marits Sohn vor Gericht: Høiby macht Drogen und Erinnerungslücken geltend

Marius Borg Høiby, der Sohn von Norwegens Kronprinzessin, gesteht seinen Drogenmissbrauch. Die Vergewaltigungsvorwürfe weist er im Prozess jedoch zurück.

Die Epstein Files und die Moral: Das hat Pizzagate-Potenzial

Die Epstein Files symbolisieren ein neofeudales Zeitalter. Und das braucht keinen Marquis de Sade, es hat Jeffrey Epstein und seine Getreuen.

Dokumente über verurteilten Sexualtäter: Trump wird den Epstein-Skandal nicht los

Der US-Präsident steckt in einer politischen Zwickmühle. Sein Umgang mit dem Fall Jeffrey Epstein könnte ihn die Unterstützung der MAGA-Bewegung kosten.

+++ Neues zu den Epstein Files +++: Opfer mit Todesdrohungen konfrontiert

Epstein-Opfer kritisieren unzureichende Schwärzungen in den Dokumenten. Polen ermittelt auch zu Epstein-Akten. Und eine britische Stiftung macht dicht.

Epstein-Files und der Schutz Betroffener: Die Schwärzungen sind das Gegenteil von Opferschutz

Weihnachten tauchten erneut Akten in der Causa Epstein auf. Die Kommunikation des Justizministeriums dazu soll vor allem einen schützen: Donald Trump.

Fragen und Antworten zum Epstein-Skandal: Was steht drin? Und wer war Epstein überhaupt?

Die US-Justiz gibt die Dokumente zum Epstein-Skandal zögernd heraus. Wie schlimm war Epstein wirklich? Und was steht in den – teils geschwärzten – Akten?

Krise im norwegischen Königshaus: „Bonus-Prinz“ wegen Sexualdelikt in Untersuchungshaft

Marius Borg Høiby, der Sohn von Norwegens Prinzessin Mette-Marit, wurde diese Woche festgenommen. Das Königshaus hält sich bislang mit Stellungnahmen zurück.